…dieses „egal“ Gefuehl fuer meine Arbeit?
Ich weiss nicht woran es liegt, ist das „typisch deutsch“ oder halt nur mein persoenliches Empfinden, das mir nicht egal ist was bei meiner Arbeit am Ende raus kommt.
Einer der Abnehmer unserer Pizza ist „Pizza Express“.
Dieser Kunde ist unheimlich pingelig mit dem wie er seine Pizzen haben moechte, wir sprechen hier von mehreren tausend Pizzen am Tag und nicht von 3 oder 4, alle per Hand gemacht, d.H. sie sehen auch relativ individuell aus. Klar, eine Maschine wuerde das perfekt alles anordnen, wir sind aber keine Maschinen.
Dem Kunden ist es nicht egal, ob mal ein Peperronischeibchen mehr drauf ist (Durchmesser knapp 1cm), nein es muessen 16 sein und schon garnicht egal das das Gewicht des Kaeses stimmt, nein es sollen auch 50-55 Kaesestueckchen in dem Gewicht enthalten sein – ich finde man kann es auch uebertreiben.
Aber der Kunde ist nunmal Koenig und so muessen wir an diesen Pizzen eben supergenau arbeiten.
Gestern bat uns (die fest Angestellten Arbeiter) Ben, das wir ein Auge auf die ungeuebten Zeitarbeiter haben und ggf. korregieren oder drauf Hinweisen was sie evtl. falsch machen.
Das haben wir auch getan, nur leider sieht es so aus, das sich die Leutchen nicht gerne was von „normalen“ Arbeitern sagen lassen, sondern stur stellen.
Das Maedel das wir gestern drauf hingewiesen haben, das sie zu wenig Peperroni auf die Pizza legt ignoriert uns voellig.
Wir mussten also Ben rufen damit er einschreiten kann.
Als er sie drauf ansprach, meinte sie doch glattweg, wir wuerden luegen!
So geht das laufend, wir sehen etwas, sie werden ermahnt, der Teamleader dreht sich um und schon wird wieder nicht das gemacht, was gemacht werden sollte.
Irgendwann resigniert man, man schaut einfach weg….
Mir faellt das wegschauen noch schwer, ich koennt jedesmal platzen.
Ich mache mir die Arbeit, strenge mich an und muss zusehen, wie sich andere einen Scheissdreck drum scheren, denn am Ende der Line kann keiner mehr nachvollziehen wer evtl. den Bockmist gebaut hat.
Ich mag nicht immer schreien und petzen, aber ich mag auch nicht mitverantwortlich fuer die Fehlleistungen sein, das bin ich aber am Ende.
Also schau ich auch schon mal weg und hoffe keiner merkts….
Mai 8, 2008 um 12:55
Ich bin gerade firsch auf dein Blog gestoßen und werd mich jetzt mal schön umlesen. Was mich allerdings noch verwirrt: Wo genau arbeitest du? Gibt es dazu einen Beitrag? Ich dachte erst, du würdest wie der andere Pizzablogger in einer normalen kleinen Pizzeria arbeiten, aber dazu passt das mit den mehreren tausend Pizzen am Tag für Großkunden nicht… oder doch? Das klingt jetzt für mcih eher danach, als würdet ihr andere Pizzalieferservice beliefern.
Kannst du mich entwirren?
Mai 8, 2008 um 8:27
Hi Sai,
gerne klaere ich dich nochmal auf:
Hier bloggen zwei Leute, einmal Wigi, der arbeitet bei einem ganz normalen Pizzabringdienst, mitten in Deutschland – nur sein Chef ist ein bischen durchgeknallt *g*
Und dann ich:
Ich arbeite in einer Pizzafabrik in England.
Wir stellen in einem 24 Std. Betrieb, frische Pizzen fuer die Supermaerkte im Land her.
Wie das dort so in etwa ausschaut ist hier beschrieben:
http://pizzaweblog.wordpress.com/2008/02/06/wie-sieht-das-eigentlich-aus/
Wir stellen am Tag mehrere tausend Pizzen her, soweit ich das vom Jahresabschluss noch im Kopf habe, waren es im Jahr 2007. 1,3 Millionen Pizzen insgesamt
Alle per Hand belegt!
Immer her mit Fragen und Kritik
Mai 8, 2008 um 9:13
Aaaah, ein Meer von Glühbirnen ist gerade bei mir angegangen
Na dann macht alles Sinn, danke für die Aufklärung!